PS: Ich bin ein fairer Mensch. Daher wisse, dass ein Gegengift, das ich bei mir trage, Dich retten könnte. Findest Du mich, wirst Du leben. Findest Du mich nicht, stirb! Und vergiss nicht: Deine Zeit läuft ab …“.
Keine Unterschrift. Jürgen Dobler stöhnt auf. Mit zitternder Hand greift er zum Handy und ruft bei der Kriminalpolizei an. Kommissar Albert Albertsteiner meldet sich, hört zu, schreibt mit. Sofort schickt er einen Krankenwagen und ein Team von Ermittlern in die Altstadt-Lounge, wo sie vom verstörten Wirt empfangen werden. Dann öffnet er die unterste Schublade seines Schreibtisches und zieht eine vergilbte Akte heraus. „SchoWo-Giftmord“ steht auf dem Deckblatt. Die Buchstaben verschwimmen ihm vor den Augen. 1994 war das, sein einziger ungelöster Fall in 40 Dienstjahren!
1994: Giftmord angedroht
Damals hatte die ganze Stadt einen Giftmörder gejagt. Vergeblich. Der Anschlag hatte dem damaligen SchoWo-Vorsitzenden Alfred Müller gegolten. Ein unbekanntes Gift in seinem Getränk hatte ihn in ein tiefes Koma versetzt. Nur durch das beherzte Eingreifen von Dr. Scherz hatte der Mann in letzter Sekunde gerettet werden können. Würde Albertsteiner den Täter dieses Mal zu fassen kriegen oder würde er seinen zweiten ungelösten Fall mit in die bevorstehende Pensionszeit nehmen müssen?
Bange machen gilt nicht
Im Kreiskrankenhaus starrt Jürgen Dobler verzweifelt an die Decke über seinem Bett. Noch spürt er nichts, noch hat das Gift seine schreckliche Wirkung nicht entfaltet. Warum wollte ihn jemand umbringen? War er das Opfer einer Verwechslung? Oder hatte es der Mörder generell auf alle SchoWo-Vorsitzenden abgesehen? Wollte er dem beliebten Stadtfest sozusagen den Kopf abschlagen? Langsam beginnt Dobler sich anzukleiden. „Bange machen gilt nicht“, murmelt er vor sich hin. „Jetzt werde ich die Dinge selbst in die Hand nehmen!“
Erste Ergebnisse
Der Soko „SchoWo“ liegen erste Ergebnisse vor, die Kommissar Albert Albertsteiner der Presse in einer schnell einberufenen Konferenz in der Altstadt-Lounge verkündet. Danach hatte das mit einem Kontaktgift versehene Blatt Papier offenbar als Unterlage für einen Notizzettel gedient. Eine handgeschriebene Zeile hatte sich durchgedrückt und konnte lesbar gemacht werden: „Montag, 20.30 Uhr, SchoWo-Bühne, Marktplatz“, war da zu lesen. Vermutlich würde der Täter zu dieser Zeit auf der Bühne stehen. Dann könnte er verhaftet werden. Aber würde es noch reichen, ihm das Gegengift zu entreißen und Jürgen Dobler zu retten?
Wer macht so etwas?
Unterdessen hastet der Vorsitzende über Marktplatz und Spitalhof. Er fragt, schaut, sucht, verzweifelt. An vielen Ständen fallen ihm weiße Zettel mit großen Buchstaben auf. Nein, es sind keine Standnummern, nichts, was mit dem Fest zu tun haben könnte. Ein Gedanke frisst sich in ihm fest: 1994 hatte der Giftmörder absichtlich Hinweise auf seinen Namen am Tatort zurückgelassen. Offenbar gab es dem Täter einen besonderen Kitzel, das Opfer an eine mögliche Rettung glauben zu lassen. Damals waren es auch Buchstaben gewesen, die zu einem Lösungswort zusammengesetzt werden konnten. Aber keiner, kein Einziger, hatte die Lösung gefunden.
Buchstabensalat
Schweißüberströmt lässt Dobler sich vor der Altstadt-Lounge in einen Sessel fallen. Besorgt bringt ihm Nadine, die hübsche junge Wirtin, einen Klaren, den er mit einer heftigen Bewegung vom Tisch stößt. Jeden der gefundenen Buchstaben hat er auf einen Zettel geschrieben. Nun breitet er die Sammlung auf dem Tisch aus und versucht, einen Sinn in dem Buchstabensalat zu finden. Sollte er vorgehen wie beim Scrabble? Verbarg sich der Name des Mörders hinter den Buchstaben? Und noch etwas ahnt der Vorsitzende: Der Täter kann nur aus dem Kreis der Vorstandsmitglieder der VG Schorndorfer Vereine kommen. Denn nur diese waren bei jenem Treffen dabei, nach dem er den blauen Umschlag in seinen Unterlagen gefunden hatte. Vor seinen Augen beginnen die Zettel zu tanzen. War das schon die Wirkung des Giftes? Eine heftige Windböe erfasst die Schnipsel und wirbelt sie durch die Gassen auf den Marktplatz. Jürgen Dobler bricht schluchzend zusammen.
Kripo bittet um Hilfe
Der für seinen Wiener Schmäh bekannte Kommissar Albertsteiner hat sich hilfesuchend an unsere Redaktion gewandt. Denn die Zeit, in der das Gegengift noch wirken kann, läuft ab. Er bittet alle SchoWo-Besucher, aus den an den Ständen ausgehängten Buchstaben den Namen des Mörders herauszufinden. Wenn der vermutlich untergetauchte Mann dann am Montag um 20.30 Uhr auf der Schorndorfer Woche erscheint, kann ihm das Gegengift entrissen werden, Dobler wäre gerettet!
Spurensuche
An folgenden SchoWo-Ständen hat Jürgen Dobler Zettel mit Buchstaben entdeckt:
Marktplatz:
1. SMTV
A.C.I.T.
ASV
Lotus e.V.
RV Wanderer
SFV Haubersbronn
SG
TSV Miedelsbach
VFF Schornbach e.V.
Weinlaube
Spitalhof:
A.S.G.I.
Courage
FVF Weiler
Kolpingsfamilie
Stadtkapelle
Belohnungen ausgesetzt.
Die Schorndorfer Nachrichten und die VG haben Belohnungen für Hinweise zur Ergreifung des Täters ausgesetzt:
Familienkarte für Tripstrill
Familienkarte für den Schwabenpark
Familienkarte für die Wilhelma
Zehn Kochbücher von Lea Linster.
Die Verlosung findet am Montag auf der Marktplatzbühne nach der Verhaftung statt. Bei Nichterscheinen der Gewinner werden die ersten drei Preise zugeschickt, die Buchpreise können bis Dienstag am Infostand der VG vor der Zeitung abgeholt werden.












