In einigen umfunktionierten Industrie-Hallen am Stadtrand existiert vor der Außenwelt behütet ganz im Stillen eine bemerkenswerte Sammlung an raren Klassikern der Traktoren- und Bulldog-Geschichte. Dieter Kelch, pensionierter Unternehmer, hat seine Passion wahr werden lassen, und sich ein eigenes kleines Reich in Form eines Privat-Museums geschaffen, in dem mittlerweile über 50 eiserne Arbeitstiere stehen. Sie dokumentieren die Zeitspanne vom Beginn der Technisierung im Beriech der Agrarwirtschaft bis in die heutige Zeit. Den Schwerpunkt dabei bilden Trecker und Bulldogs der Firma Schlüter und Lanz.
Es ist eigentlich noch nicht all zu lange her – gerade mal zwölf Jahre – als sich Dieter Kelch entschloss, seine Freizeit einem Hobby zu widmen, das weitläufig etwas mit Technik zu tun hat. Als Maschinenbauingenieur gerade in den Ruhestand verabschiedet, wollte er dort anknüpfen, wo er aufgehört hatte. Etwas „Großes“ sollte es sein. In einer Zeitung entdeckte er einen politischen „Ursus“-Traktor, der zum Verkauf stand. An ihm wollte er probieren, ob er dieser Herausforderung standhielt.
„ich hab mir sagen lassen: wer mit einem „Ursus“ (lat. Bezeichnung für Bär) fertig wird, kann auch einen Lanz restaurieren.“ Das Experiment glückte, Dieter Kelch war infiziert.
Zunächst konzentrierte sich die Suche nach ausrangierten Traktoren auf nichts Spezielles. „Fehlfarben“ nennt er jene eisernen Zeitzeugen heute, jedoch jeder für dich eine Rarität und mit eigener Geschichte versehen.
Zum Beispiel die eines Hanomag-Schleppers aus der Obermark aus dem Jahr 1927. Eine Bäuerin hatte den betagten Traktor inseriert. Ein kleines Abendteuer sollte für Dieter Kelch beginnen. Die wildromantische Reise durch die alleenartige Straßen führten ihn zum Bauernhaus der alten Dame, das mitten in einem blühenden Weizenfeld lag. Das Mütterchen saß auf der Holzbank vorm Haus, der Hanomag stand wie ein Denkmal im Feld, seit 1960 abgestellt und nicht mehr bewegt. Der Vater der Bäuerin war der letzte, der den Zündschlüssel drehte, bevor die Zeit anfing am teuren Dieselross zu nagen. Das gute Stück zählte mit 30 PS und acht Kilometern Stundengeschwindigkeit damals zur Oberklasse der Acker-Schlepper. Ausgestattet mit Schaufelrädern und notfalls betankbar mit Petroleum. Ihre Wohnstube wollte sie mit dem Erlös des Verkaufs renovieren, einen neuen Ofen anschaffen, die Rente sei schmal… „ Ich habe keine Nachverhandlungen getätigt, den musste ich einfach haben“, erinnerte sich Dieter Kelch.
In den 20er Jahren gab es mit Lanz, Fordsen und Hanomag drei Konkurrenten auf dem deutschen Markt, deren Aushängeschilder nun nebeneinander im Museum Kelch ihren Platz gefunden haben. Der Hanomag übrigens unrestauriert, so wie er die letzten 50 Jahre Wind und Wetter getrotzt hat.
Schwerpunkt der Sammlung Kelch sind jedoch Lanz- und Schlüter-Traktoren. Bei der Marke Lanz vorwiegend Vorkriegsmodelle. Mitarbeiter der Firma erfanden den Namen Bulldog, da der Urtyp dieser Ausführung ein HL 12 dem Aussehen einer Bulldogge sehr nahe kam. Insgesamt 16 Lanz-Maschinen stehen in Reih und Glied in den heiligen Museumshallen.
Die Marke Schlüter ist ebenfalls mit einer großen Anzahl an Modellen vertreten. Anfangs im Motorenbau tätig, entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden Traktorenbauern des Landes. Bekannt sind die überdimensionalen Fahrzeuge, die teilweise durch 8-Zylinder-maschinen mit mehreren hundert PS angetrieben wurden. Diese schweren Schlepper stehen unrestauriert im Museum von Dieter Kelch, die wuchtigen Motoren und Getriebe lassen eine Überholung auf konventionellem Weg nicht zu.















